Die Dave Matthews Band. Riesig in Amerika. Unbekannt bei uns. Das hat viele Ursachen. Die größte davon ist wohl, dass die Band in Europa live kaum präsent war. 1998 tourten sie zuletzt bevor 2007 die nächste Tour folgte. Bei dieser sollte ich sie bei Rock im Park sehen, doch da hat mein Festivalfluch zugeschlagen. Glücklicherweise dauerte es dieses Mal keine weiteren acht Jahre bis die Band sich in Europa blicken ließ sondern nur zwei. Deswegen wurde der ohnehin geplante Paris Urlaub einfach rund um den Konzerttermin gelegt.
Erstmals wahr genommen habe ich ihre Musik, als ich 2003 zufällig auf Dave Matthews neues Solo Album “Some Devil” stieß. Ich saugte. Ich hörte. Ich fand großen Gefallen. Ich kaufte.
Trotzdem dauerte es bis zur Zugfahrt zum Frequency 2005 bis ich die Liebe zur gesamten Band entdeckte. Danish spielte mir ihr Bob Dylan Cover “All Along The Watchtower” in der Live Version vom Central Park 2003 vor. Mein Grinsen wurde immer dicker und dicker und spätestens beim abschließenden Jam war es um mich geschehen. Nun war ich nicht nur Fan von Dave Matthews allein sondern auch seiner Band.
Der Backkatalog der Band ist riesig, wodurch es dementsprechend lang dauert bis man sich einen Überblick verschafft hat. Was ich schnell gemerkt habe, ist, dass mir ihre Studioaufnahmen gar nicht gefallen wollen. Zu sauber und zu wenig Jams. Glücklicherweise hat die DMB unzählige ihrer langen Konzerte in professioneller Qualität veröffentlicht, was es auch spannend macht die einzelnen Songs in immer etwas anderen Versionen zu hören.
Live zählt die Band scheinbar nicht nur zu den guten sondern v.a. auch zu den intelligenten. Die Setlist wird von Konzert zu Konzert gewechselt, was jeden Besuch aufs Neue interessant macht.
Deswegen war ich auch gespannt wie sie bei meinem Konzert in Paris ausfallen würde. Letzten Mittwoch war es soweit und ich betrat das Pariser L’Olympia und mir offenbarte sich eine wunderschöne Halle, die wie ein großer Jazz-Club wirkte. Sehr bemerkenswert war, dass der Stehbereich vor der Bühne ansteigend war, so dass man auch im hinteren Bereich noch gute Sicht hat. Warum sich diese Idee nicht durchgesetzt hat, ist mir schleierhaft.
Das L’Olympia bietet Platz für 2.400 Leute und es hat schon etwas krasses die Band in einer Location wie dieser zu sehen, wenn man bedenkt, dass sie in Amerika in Stadien und anderen Orten wie dem Madison Square Garden vor mehreren 10.000 Leuten spielen.
Ich fand Platz in der Mitte des vorderen Drittels der Halle und hatte perfekte Sicht auf die gesamte Bühne. Als Vorband sollten die mir unbekannten Alberta Cross agieren. Um Punkt 20 Uhr ging das Licht aus und unter lautem Getöse erschien plötzlich … Dave Matthews?! Allerdings nicht um zu schon zu spielen sondern einfach um die Supportband anzukündigen. Sehr sympathisch, sowas habe ich auch noch nie erlebt! Alberta Cross boten anfangs eher unspektakulären Rock aber die letzten Nummern wussten schon zu überzeugen.
Eine Stunde später wiederholte sich das Spektakel und nun betrat endlich die gesamte Dave Matthews Band die Bühne. Neben Dave Matthews (Vocs, Git) selbst besteht die offizielle Band aus Boyd Tinsley (Violine), Stefan Lessard (Bass) und Carter Beauford (Drums). Der letztes Jahr leider verstorbene Saxophonist LeRoi Moore wird live durch Jeff Coffin ersetzt. Weitere Verstärkung erhielten sie durch Rashawn Ross (Trompete) und Tim Reynolds (E-Git). Schön ist, dass hier wirklich alles von den Instrumenten auf der Bühne kommt und es keine Backings gibt.
Nach einem instrumentalen Intro wurde mit dem tollen “Bartender” gestartet, das auf dieser Europa Tour zum ersten und bisher auch einzigen Mal gespielt wurde. Dieser Song steigerte sich in einen 15 Minuten Jam, an dessen Ende ein wunderschönes langes Solo auf der Piccolo stand. Es folgte “Shake Me Like A Monkey”, die größte Uptempo-Nummer vom neuen Output “Big Whiskey & The GrooGrux King” in der kompakten Album-Version. Sehr fein.
Der dritte Song “You Might Die Trying” wurde mit einem gottgleichen Jam beendet, der eine Energie in den Raum brachte, wie man es sonst nur von einer Band wie The Mars Volta kennt.
Bei den neuen Nummern fiel auf, dass sie live zwar deutlich besser klangen und mehr Spaß machten wie in der Studioversion aber deutlich weniger Raum für Jams ließen. Abwarten in welche Richtung sich manche Songs in Zukunft entwickeln werden.
Beim instrumentalen Intro von “Everyday” sang bereits das ganze Publikum mit, wie man es von den Live Aufnahmen aus Amerika kennt. Das bewies wie fit das anwesende europäische Publikum in Bezug auf ihr Material war.
Ein weiterer Höhepunkt war klar “Crush”. Einerseits natürlich ein wunderschöner Song aber herausstechend war als sich Tim und Jeff am Ende ein regelrechtes Battle an ihren Instrumenten lieferten. Bei “Jimi Thing” spielte Jeff sogar mit zwei Saxophonen parallel. Beim Drum Intro vom immer strahlenden Carter zum letzten Song vor der Zugabe, “Ants Marching”, sprangen plötzlich alle Leute auf den oberen Rängen auf und feierten mit.
Zur Zugabe nach über zwei Stunden kam Dave Matthews allein auf die Bühne und spielte das Traditional “Rye Whiskey”. Die hohen Töne traf er nach der langen Spielzeit nicht mehr so ganz aber er wusste das humoristisch gut zu kaschieren. Zum Schluß betrat noch Tim Reynolds die Bühne und setzte ein Solo ans Ende.
Als ich es gar nicht mehr zu hoffen wagte, ertönte plötzlich das Intro meines Lieblingssongs “Don’t Drink The Water” und ich drehte regelrecht durch! :) Als allerletzte Nummer und super Ausklang wurde “Why I Am” gespielt, das LeRoi Moore gewidmet ist.
Nach über 2,5 Stunden war damit eines der besten Konzerte seit langer langer Zeit zu Ende! Das ganze Konzert war einfach ein Wahnsinn: Die Band war extrem gut aufgelegt, die Jams waren ausufernd und Dave Matthews sehr redefreudig. So geflasht bin ich seit zwei Jahren nicht mehr von einer Bühne weggegangen.
Bartender
Shake Me Like A Monkey
You Might Die Trying
Spaceman
Corn Bread
Everyday
Seven
Grey Street
Alligator Pie
Funny The Way It Is
Crush
So Damn Lucky
Lying In The Hands Of God
Jimi Thing
Ants Marching
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Rye Whiskey (Cover)
Don’t Drink The Water
Why I Am


[...] Letzten Juli wurde unser Paris Urlaub extra rund um das Datum des dortigen Auftritts der Dave Matthews Band gelegt und ich war begeistert. [...]